Nähen im Glück


Es ist der absolute Wahnsinn!

Wenn ich mich recht erinnere, griff ich das Nähen im Jahre 2011 erstmals wieder auf. Damals kannte ich das Nähen nur aus der Schule vom Textilenwerken. Es wäre verkehrt, wenn ich sage, dass ich dieses Fach gehasst habe, aber ich mochte den Unterricht mit dieser Lehrerin einfach nicht. Doch 2011, einige Jahre später, wühlte sich irgendetwas in mir hoch, flüsterte mir leise zu und injizierte mir gleichzeitig ein Ablenkungsmittel namens: Näh dich glücklich. Ich kaufte mir eine Nähmaschine, suchte mir alte Bettlaken und Gardinen heraus und fing freudig an los zu nähen. Das also, war der Anfang von dem, was mir jetzt so viel bedeutet. 

Und jetzt? Jetzt blicke ich zurück und lächle über meinen kleinen Glücksort.
Anfang 2016 kam so richtig Schwung in die Sache und entwickelte sich so weit, dass ich meine kleinen Wunderwerke unter die Leute brachte. Ich entschied mich dazu, das Ganze als Kleingewerbe anzumelden, ich schickte einige Werke zu Fachvermietungsunternehmen & ich gründete einen Onlineshop. Alles mit sehr viel Zeit, Geld & Geduld verbunden. Und doch erfreute ich mich an meinen Fortschritten, meinen Zielen und den neuen Herausforderungen. Es ging von Sylt nach Berlin, von Dawanda zu Etsy & vom Nähtisch ins Bett. Es war eine schöne Zeit, die mich aber auch vieles gelehrt hat. Denn irgendwann wurde das Nähen weniger, dafür die Zeit vor dem Computer mehr. Ich studierte elend lange "Liebesbriefe" von meinem Anwalt, der mich immer auf dem Laufenden hielt, um korrekt und rechtswidrig zu verkaufen. Es mussten oft nur kleine Änderungen vorgenommen werden, die bei vielen Artikeln im Shop allerdings eine ermüdende Zeit in Anspruch nahmen. Die kleinen immer neuen Änderungen summierten sich. Es kamen immer mehr Gesetzesverordnungen hinzu, der Geldbeute musste weiter geöffnet werden und die Zeit vor der Nähmaschine blieb ganz aus. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich zu überlegen begann. Lange. Schlussendlich mit der Entscheidung, die Onlinegeschichte komplett zu beenden. Ich mochte meinen Shop und ich steckte dort auch ziemlich viel Zeit und Liebe hinein, sowohl bei Dawanda, als auch später bei Etsy. Ich liebte es Artikelfotos zu erstellen und kleine Texte dazu zuschreiben, meine Wunderwerke einfach hübsch zu präsentieren. Ich sah zu, wie mein Shop wuchs und einige private Kundenanfragen ließen mich vollends erstrahlen. Und doch musste ich einsehen, dass die Politik es den Kleingewerbetreibenden mehr als schwierig macht. Ich warf das Handtuch. 

Jetzt, 2020, nähe ich nur noch für mich. Ich nähe mir kleine Herzenssachen, nähe Kleidung und Accessoires für die Lütten und ich nähe Geschenke. Und jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, der mir endlich wieder Spaß an der Sache bereitet: dem Nähen. 


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