Mittwoch, 1. November 2017

Rezension - Harlan Coben - In ewiger Schuld

In ewiger Schuld
von Harlan Coben

«In ewiger Schuld», ein Thriller von Harlan Coben, erschienen im August 2017 im Goldmann Verlag, der Verlagsgruppe Random House GmbH.

Aus dem englischen von Gunnar Kwisinski.

Maya muss in ihrem Leben zurzeit ziemlich viel verkraften. Die Pilotin und Ex-Militär ist seit kurzem Witwe und alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter. Ihr Mann Joe wurde auf brutale Art ermordet. Von ihren Kriegseinsätzen und dem Verlust ihres Mannes ist Maya völlig traumatisiert. Ihre kleine Tochter überlässt sie über Tag einer Nanny und installiert eine Cam, die ihr ein wenig Sicherheit verleihen soll. Doch bei der Durchsicht der Aufnahmen entdeckt Maya etwas Schockierendes. Seelenruhig und lebendig spielt nicht die Nanny mit ihrer Tochter, sondern ihr totgeglaubter Ehemann. Was wird
hier gespielt? Kann Maya ihren Augen trauen, oder ist sie wahnsinnig geworden? Um Gewissheit zu bekommen, begibt sie sich nicht nur auf eine Reise in ihre eigene problematische Vergangenheit, sondern stößt auch auf Joes wohlhabende und einflussreiche Familie, deren Mayas Fragerei und Spurensuche merklich missfällt...

Dies war mein erstgelesener Thriller von Harlan Coben. Da «In ewiger Schuld» schon eine Weile auf der Spiegel Paperback Belletristik auf Platz 1 steht, lächelte er mich bei meinen wöchentlichen Buchhandlungsbesuchen ständig an und verleitete mich schlussendlich auf eine anziehende Art dazu, mir den Autor nun mal genauer anzuschauen und seinen neuen Thriller unter die Lupe zu nehmen.

Das Cover wirkt schon sehr bedrückend und etwas angsteinflößend. Im Vordergrund der Palisadenzaun und dahinter das heruntergekommen, verwitterte in die Jahre gekommene gräulich wirkende Haus, was wohl mal im schönen weiß gestrichen wurde. Die aufstehende Tür, das ganze zerstreute Herbstlaub in rot - gelb, welches das Bild abrundet, verleiht etwas Geheimnisvolles & Erschreckendes - wie die Story. Auch der Titel passt - wie ich finde - in zweierlei Hinsicht ziemlich genau zur Geschichte. Im Nachhinein kann ich behaupten, dass das Cover und der Titel harmonieren.

Der Thriller wird aus Mayas Perspektive erzählt. Dies verleitete mich natürlich noch mehr zum - gemeinsamen - Grübeln und lässt vieles im Dunkeln stehen, sodass ich sämtliche mögliche Varianten und Fragen "wer, aber warum - wieso, wo,..." während des Lesens aufgestellt und durchgespielt habe. Die Schreibweise gefiel mir. Einige Ausdrücke, gerade aus dem militärischen Bereich musste ich allerdings hin und wieder nachschlagen. Harlan Coben hat einen eigensinnigen, angenehmen Schreibstil, der mir allerlei Bilder zu bieten hatte und zudem faszinierend zu lesen war. Die Charaktere aus Joes Familie erschienen mir alle sehr undurchsichtig. Mit viel Skepsis und Argwohn ließ ich sie zurück. Maya kämpft mit den traumatischen Erlebnissen ihrer Kampfeinsätze im Irak, und das wird während des Plots immer wieder bedeutungsvoll aufgegriffen. Die unruhigen, schlaflosen Nächte, abwertende, eingebrannte Bilder und akustische Erinnerungen quälen sie Tag ein, Tag aus. Wie die Beziehung zu ihrer Tochter beschrieben wurde, mochte ich - es hatte etwas Authentisches und Menschliches, es passte zu Maya und der Geschichte. Der Leser lernt auch viele Personen und Namen kennen, jedoch hatte ich nie das Gefühl, den Faden zu verlieren und nochmal nachlesen zu müssen, wer derjenige war, in welcher Verbindung er zu wem stand und und und...  Das Ende überraschte mich. So hatte ich es in meinen ganzen Variationen und Hypothesen kein einziges Mal phantasiert. Die letzten Seiten ahnte ich schon, worauf es hinaus gehen könnte, jedoch hatte ich vorher nicht ein einziges Mal in diese Richtung gedacht und spekuliert. Eigentlich komisch, denn eigentlich ist es so naheliegend...

Ein spannender Thriller, in dem viele Geheimnisse schlummern und eine angeschlagene Witwe um Gewissheit und Gerechtigkeit kämpft. Der Thriller bietet einiges an Raffinesse und Kaltblütigkeit.


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